DieBrillenglastechnologie wird kontinuierlich weiterentwickelt, um Brillenträgernin jeder Lebenslage ein klares und kontrastreiches Sehen zu ermöglichen.Insbesondere Gleitsichtgläser werden seit ihrer Erfindung Ende der 50er Jahrein vielen Belangen immer wieder verbessert. Das von Essilor verwendeteWavefront-Management-System bietet bis heute unzähligen Brillenträgern eineungetrübte Sicht der Dinge.
Eserlaubt eine deutlich genauere Berechnung der einzelnen Sehbereiche einesGleitsichtglases- also Fern-, Zwischen- und Nahbereich - sowie die Minimierungder für Gleitsichtgläser typischen Abbildungsfehler, welche die Sehschärfebeeinträchtigen. Es werden dabei nicht nur einfache Abbildungsfehler, sondernauch so genannte Abbildungsfehler höherer Ordnung beträchtlich reduziert.Somit wird dem Brillenträger ein scharfes, kontrastreicheres oder eben„hochauflösendes“ Sehen ermöglicht. Der folgende Artikel soll die Wellenfront-Technologieund deren Einwirkung auf das Brillenglasdesign genauer erläutern.
Abbildungsfehler und Brillenglas
Umscharfes und kontrastreiches Sehen in allen Sehbereichen zu erzielen, müssendie unterschiedlichen Abbildungsfehler, die in allen Brillengläsern auftreten,so weit wie möglich beseitigt werden. Der Einfluss des sphärischen Fehlers unddes Astigmatismus sind bereits weitgehend untersucht worden und dienen bei derEntwicklung von herkömmlichen Brillengläsern bereits als wertvolle Hilfe. MitVarilux Physio wird ein Maximum an Abbildungsfehlern höherer Ordnungkorrigiert, um ein möglichst perfektes Brillenglas herzustellen. Essilor wähltden Weg der Perfektion des Glases, um dieses von möglichst allenAbbildungsfehlern zu befreien. Mit anderen Worten wird die ganze Effizienz derAberrometrie auf die Glastechnologie gelegt, was erlaubt, den Wirkungsgrad zumaximieren und dem Augenoptiker ein präzises, refraktiv reproduzierbares Instrumentzu liefern, um den hohen Sehansprüchen seiner Kundschaft gerecht zu werden.
Wellenfront und Aberrationen
UmAbbildungsfehler höherer Ordnung erfolgreich zu analysieren, muss das Licht alsWelle betrachtet werden, die so genannte Wellenfronten aufweist. Wellenfrontensind virtuelle Oberflächen, auf denen die Punkte phasengleich schwingen. DieAbbildungsfehler höherer Ordnung zeigen sich in Wellenfront-Deformationen undlassen sich mathematisch mit den so genannten Zernike-Polynomen beschreibenund auf bestimmte Grundformen reduzieren.
Diesewurden vom bekannten niederländischen Mathematiker und Physiker Frits Zernike(1888-1966) entwickelt, um die Zerlegung aller optischen Abbildungsfehler einesLinsensystems in ihre elementaren Grundbestandteile zu ermöglichen. Dadurchlässt sich anschaulich darstellen, welche Abbildungsfehler z.B. inPupillenöffnungsgrösse in jedem Bereich eines Brillenglases anzutreffen sind.Jedem Polynom lässt sich ein bestimmter Abbildungsfehler zuordnen. Die bereitsso oft gesehenen farbigen Darstellungen zeigen farbkodierte Darstellungen überden Pupillenquerschnitt (grün: keine Wellenfrontfehler, rot: die Wellenfrontläuft im Vergleich zu einer fehlerfreien Abbildung zu schnell, blau: dieWellenfront ist verzögert).
Inder Brillenoptik sind die ersten beiden Ebenen der dargestelltenAbbildungsfehler wohl bekannt. Verkippung (prismatische Wirkung), Defokussierung(Stärkenfehler) und Astigmatismus. Diese so genannten Aberrationen «niederer»Ordung hängen direkt mit der Korrektion zusammen. Die Koma gehört zu denAberrationen höherer Ordnung.
DieKoma liegt vereinfacht vor, wenn die eine Seite des Linsensystems einen anderenBrechwertaufweist als die andere. Die Koma verwandelt einen Bildpunkt in einenasymmetrischen Schweif. Abbildungsfehler höherer Ordnung führen ebenso wie dieanderen Abbildungsfehler zu einer drastischen Schwächung des Kontrasts unddamit der Sehschärfe - dies umso schwerwiegender, je grösser die Pupille ist.
Twin-RX
Dasso genannte „Wavefront-Management-System“ wurde in seiner Wirkung von adaptivenOptiken, die bei Weltraumteleskopen Anwendung finden, abgeleitet. DieWeltraumspiegel können während der Observation aktiv gebogen werden, um sokleinflächige Aberrationen auszugleichen, die z.B. durch unterschiedlicheBrechungsindizes verschieden warmer Luftschichten entstehen.
Wenngleichdie Wellenfront-Technologie an sich nicht neu ist, fand sie bei Varilux Physioerstmals Anwendung. Sie diente damit als Grundlage für die von Essilorweiterentwickelten Berechnungs- und Fertigungstechnologien und wurde damals zumPatent angemeldet. Heutzutage ist sie als Twin RX-Technologie bekannt.
Twinbedeutet kombinieren: Zwei technologische Hauptinnovationen wurden miteinanderkombiniert, wobei sich die erste auf die Designberechnung und die zweite aufden Fertigungsprozess bezieht.
- Design: Wavefront-Management-System. Es berechnet die optische Zielfunktion durch Einsatz der Wellenfront-Technologie.
- Prozess: Point-by-Point-Twinning. Berechnung der Vorder- und Rückflächenkombinationen des Brillenglases Punkt für Punkt. Ermöglicht durch den Einsatz von digital Surfacing (digitaler Schleiftechnik patentiert durch Essilor) deren Fertigung.
Was ist das Wavefront-Management-System?
Das Wavefront-Management-System (WMS) basiert aufumfangreichen Analysen, die Essilor in Zusammenarbeit mit Forschungslabors aufder ganzen Welt durchgeführt hat. Während man die Berechnungen in derAugenoptik bisher auf Basis einzelner Lichtstrahlen durchführte, setzt WMS aufdie Methoden der Wellenoptik. Mit diesem Ansatz war es erstmals in derAugenoptik möglich, die Eigenschaften des durch die Pupille in das Augeeintretenden Lichtbündels vollständig zu analysieren: Tritt eine Lichtwelledurch ein Brillenglas, so wird deren Wellenfront vom Glas geformt. Je geringerdie Abweichung vom Idealwert, desto besser kann man mit mathematischenVerfahren die optischen Eigenschaften eines Brillenglases für alleBlickrichtungen beschreiben und die Abbildungsfehler in jedem Punkt durchentsprechende Korrekturwerte minimieren. Mit dem WMS ist es so gelungen, dieKontrolle über die Wellenfronten in allen Sehbereichen zu erlangen.
Sehen im Fernbereich
PhysiologischeStudien belegen, dass Aberrationen höherer Ordnung, speziell die Koma, zuverschwommener Abbildung führen, was besonders im Fernbereich bei erweiterterPupille (oder grosser Pupille) kritisch ist. Varilux Physio minimiert mitHilfe des Wavefront-Management-Systems nicht nur die einfachen Aberrationen,sondern auch Aberrationen höherer Ordnung im Fernbereich.
Sehen im Zwischenbereich
Im Zwischenbereich weisen alle GleitsichtgläserAstigmatismen zu beiden Seiten des Meridians auf, der bei höherer Additionstärker ausfällt. Der klassische Ansatz besteht darin, den Umfang desAstigmatismus lediglich bestmöglich zu reduzieren und diesen weit weg vomMeridian zu konzentrieren. Essilor bringt diesen aber in der Breite dergesamten Augenpupille (Durchschnittswert) unter Kontrolle. Hier spielt dieAusrichtung der Achse des Rest-Astigmatismus eine wichtige Rolle. VerschiedeneAnalysen haben gezeigt, dass das Auge bei Astigmatismen verstärkt aufsenkrechte Bildlinien akkommodiert, beispielsweise, um die Lesbarkeit einesTextes zu verbessern. Dies wird erleichtert, wenn die Achse senkrechtausgerichtet ist. Bei Varilux Physio konnte das Wavefront-Management-Systemsowohl die Wirkung des Rest-Astigmatismus im Auge verringern als auch seineAchse senkrecht ausrichten. Somit ermöglicht Varilux Physio die Wahrnehmungbreiterer Felder im Zwischenbereich. Die Verbesserung wird durch Tragetestsbestätigt. Durch den erhöhten und komfortablen Zwischenbereich erleichtert mandem Anfänger den Einstieg.
Sehen im Nahbereich
Beim Sehen im Nahbereich nehmen wir ganz unterschiedlicheHaltungen ein. Dies hängt massgeblich mit der auszuführenden Aufgabe und demUmfeld zusammen. Ausserdem ist die Haltung von Person zu Person verschieden. Inder heutigen Zeit werden die Sehansprüche immer grösser, besonders Naharbeitenwerden verstärkt ausgeführt, somit ist eine möglichst ausgedehntes Nah-Sehfeldunumgänglich. Das Wavefront-Management-System weitet den Bereichstabilisierter Wirkung in der Nähe senkrecht und waagerecht aus und reduziertsomit die Aberrationen höherer Ordnung. Das Auge tastet eine grössere Zone desGlases ohne Korrektionsbewegungen des Kopfes ab. Für den Brillenträger bedeutetdies mehr Komfort durch geringeren Haltungszwang
Höchste Präzision
Mit demWavefront-Management-System können die Eigenschaften eines Brillenglases anjeder Stelle genau beschrieben werden. Damit diese Beschreibung demBrillenglasträger tatsächlich zugute kommt, muss dieselbe Präzision jedoch auchbei der Fertigung der Gläser erreicht werden. Dafür hat Essilor eine spezielledigitale Fertigungstechnologie entwickelt, die ebenfalls auf einem patentiertenVerfahren basiert, das sogenannte Point-by-Point-Twinning. Bei diesem Verfahrenwerden die korrespondierenden Punkte der Glasvorder- und -rückflächeaufeinander abgestimmt und für jede Korrektion individuell gestaltet. DieseOptimierung gilt für Kombinationen von Sphäre wie auch Zylinder, Achse,Addition und Prisma. Sie führt zu Millionen unterschiedlichster, komplexerOberflächenvarianten. Point-by-Point Twinning erlaubt die Fertigung des Glasesmit der Genauigkeit von 100 nm für diesen Prozess.
Eine Erfolgsgeschichte
Die Einführung von Varilux Physioim Jahre 2006 war ein Erfolg auf der ganzen Linie. Weltweit wurde seit derEntwicklung von Varilux Comfort kein Gleitsichtglas häufiger abgegeben. Nachumfangreichen Tests in der Forschungsabteilung von Essilor Inrernational sowiein Studien von unabhängigen Universitäten hatte auch der Markttest unterAlltagsbedingungen in Deutschland, Frankreich, Australien, Frankreich, USA undGrossbritannien die Stärken von Varilux Physio bewiesen. Es nahmen weltweit150 Augenoptiker und Optometristen und 2000 Konsumenten verschiedensterTätigkeitsfelder teil. Bereits im Vorfeld war das Ergebnis überwältigend. DieZufriedenheit der Gleitsichtglaskunden mit Varilux Physio lag bei 97 Prozent,selbst Einsteiger waren zu 92 Prozent zufrieden. Die hohe Verträglichkeitsrateund die schnelle Angewöhnung kombiniert mit nie erreichter scharfer Sicht warbahnbrechend. Selbst bis zum heurigen Tag, also nach zwei Jahren, ist VariluxPhysio ein modernes Gleitsichtglas, welches mit allen Features derHerstellungstechnik versehen ist. In der Schweiz fordert der Markt einehochpräzise Lösung. Ausgereifte und für den Augenoptiker reproduzierbareTechniken bilden den Grundstein für zufriedene Kunden. Varilux Physio bietetalle Faktoren kombiniert mit extrem kurzen Lieferzeiten.
Der Prüfung überdrüssig. Wahre Geschichten aus einemOptikerleben
Es spielte sich vor genau 40 Jahren während meiner HFP,oder wie man damals sagte, Meisterprüfung, ab. Die Prüfungen wurden damals nochin der alten Gewerbeschule in Luzern durchgeführt. Es war ein warmer Frühling,so dass man sich in den Prüfungspausen draussen in einem kleinen Kaffee treffenund die Prüfungserfahrungen austauschen konnte. Wir hatten gerade dieschriftlichen Prüfungen in Augenkunde abgeschlossen und diskutierten lebhaft.Da kam der Experte dieses Faches vorbei und fragte ziemlich aufgeregt einenMitprüfling, er habe beim Einsammeln der Aufgaben das falsche Blatt, nämlichein leeres, abgegeben und müsse doch das Aufgabenblatt noch bei sich haben.
Der Angesprochene antwortete in breitem Berndeutsch: «Neinei, das isch scho richtig. i ha dänkt, lieber gsung u zwäg bis siebezgi alsd'Meischterprüefig bestah". Wir alle, auch der Experte, waren erstaunt über diese Aussage. Der Prüfling trank seinen Kaffee ruhig aus, erhob sich undwünschte uns noch viel Glück beim Fortgang unserer Prüfung. Ob er seine Prüfungspäter noch nachgeholt hat und «gsung u zwäg" 70 Jahre alt geworden ist.entzieht sich meines Wissens.